HISTORISCHE WEIHERSCHLEIFE Seit dem 15. Jahrhundert wurden die heimischen Edelsteinvorkommen in sogenannten Schleifmühlen verarbeitet. Von diesen standen einmal 183 am Idarbach, an der Nahe und an anderen Bachläufen um Idar-Oberstein. Am Idarbach allein waren es 56 Schleifen. In den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden die Bachschleifen nacheinander stillgelegt. Sie zerfielen und waren schon nach kurzer Zeit aus dem Landschaftsbild verschwunden. Die "" Historische Weiherschleifen "" - eigentlich Kallwiesweiherschleife - blieb mit Unterbrechungen bis 1945 in Betrieb. Sie drohte dann zu zerfallen, wurde aber 1953/54 restauriert. Nach einer erneuten Renovierung und teilweise Erneuerung in den Jahren 1996/97 ist sie wieder für Besichtigungen geöffnet. Sie ist die Letzte mit Wasserrad angetriebene Achatschleifmühle am Idarbach. An den wasserradgetriebenen Sandstein-Schleifrädern demonstrieren die fachkundige Fremdenführer den Besuchern live die Verarbeitungsweisen früherer Jahrhunderte. Einen Großteil ihrer beschwerlichen Arbeit verrichteten die Schleifer bäuchlings auf sogenannten " Schleifenkippstühlen " liegend. Neu in der „Historischen Weiherschleife" ist eine Multimedia-Schau unter dem Motto "Das Geheimnis der Edelsteine". Spektakulär, modern und informativ. Ebenfalls ergänzt wurde die Ausstellung durch einen Mineralienraum, der insbesondere den esotherischen Bereich abdeckt. Die Erläuterungen in der „Historischen Weiherschleife", in der kleinen Ausstellung und in der Multimedia-Show können wahlweise in 5 Sprachen, deutsch-englisch-französisch-dänisch und niederländisch vorgetragen werden. Eine vorherige Anmeldung für Gruppen ab 20 Personen ist zweckmäßig. Die Arbeit in den Wasserschleifen: In der “Historischen Weiherschleife“ werden die einzelnen Arbeitsgänge wie sie ehemals die Bachschleifer vornehmen mussten demonstriert: das Sägen der Steine, das Ebouchieren, das Schleifen und das Schmiergeln und Polieren. Das Sägen der Rohsteine ist der 1. Arbeitsgang: Die Trennscheibe von ca. 40 cm Durchmesser und 1 mm Stärke läuft in einem Petroleumbad, damit Stein und Blatt gekühlt bleiben. Schraubstockartige Zangen halten den Stein. Damit jeder beliebige Schnitt ausgeführt werden kann, ist diese Haltevorrichtung nach beiden Seiten - vorwärts und rückwärts - beweglich. Große Steinkenntnisse und viel Erfahrung gehören dazu, um eine bestmögliche Auswertung des Rohmaterials zu erreichen. Ebouchieren ist der 2. Arbeitsgang: d. h. formen, höhlen und gestalten der Steine. Dazu werden Silizium-Karbidscheiben benötigt, die in allen Körnungen, Härten und Abmessungen vorhanden sein müssen, um alle Steinarten und jede Form schleifen zu können. Kleinste Steine werden auf Holzstäbe aufgekittet, etwas größere mit einem Schleifholz gehalten. Stücke wie Schalen, Vasen, Dosen, Ascher usw. werden frei aus der Hand geschliffen, was sehr viel Feingefühl erfordert. Der 3. Arbeitsgang ist das Schleifen: Bei dieser Tätigkeit liegen die Schleifer bäuchlings auf Kippstühlen, eine ungewöhnliche aber historische und traditionelle Art des Schleifens. In dieser Lage kann der Schleifer einen besonders starken Druck an Grob- und Feinschliff ausüben. Die Profile und Schleifbahnen werden mit Karborundum und Grauwacke eingeschliffen. Beim Schleifen läuft das Wasser über den Stein, damit eine Kühlung erfolgt und eine möglichst geringe Staubentwicklung entsteht. Die Schleifsteine kommen aus den Sandsteinbrüchen der Pfalz. Bekannt sind die Sandsteinbrüche aus Bruchmühlbach. Die Steine sind ca. 2 m groß, 50 cm dick und wiegen ca. 3 Tonnen. Ihre Haltbarkeit beträgt bei ständigem Einsatz 7 bis 8 Jahre. Der 4. und letzte Arbeitsgang umfasst das Schmirgeln und Polieren: Er wird je nach Gesteinsart mit verschiedenen Poliermitteln ausgeführt und erfordert eine enorme Behutsamkeit. Schon viele schöne Raritäten sind kurz vor der Fertigstellung zerbrochen. Mit Holz-, Kork- oder Filzscheiben und den entsprechenden Poliermitteln wird der Edelstein auf Hochglanz gebracht. Erst dann kommen die Farben und Zeichnungen zur Geltung, die in schönen Variationen den Steinen Ausdruck verleihen. Das alles unvergänglich zu machen, ist des Schleifers Tätigkeit und erfüllt ihn mit Stolz. |